Thementag „Sprachsensibler Geschichtsunterricht“

Sprache als „hidden curriculum“ oder expliziter Lernprozess im Geschichtsunterricht?

„Das Implizite explizit machen“ – mit diesem Vorhaben trafen sich am 25. Juni die Fachseminare Geschichte der Studienseminare Verden und Hildesheim im hiesigen Studienseminar zum Thementag „Sprachsensibler Geschichtsunterricht“. Während des offenen Beginns bekamen die LiVs zunächst die Möglichkeit, sich kennenzulernen und über erste Thesen zum Stellenwert von Sprache im Geschichtsunterricht ins Gespräch zu kommen. Anschließend führte Frau Schrader in das Gestaltungskonzept des sprachsensiblen Geschichtsunterrichts ein. Dieses bezieht sich auf den Umgang mit den vielfältigen sprachlichen Herausforderungen von Schüler*innen bei der Rezeption historischer Quellen und sprachlich verdichteter Darstellungen, bei der Textproduktion sowie beim Verstehen und Anwenden historischer Fachbegriffe.

Angesichts dieser Herausforderungen wurde im Plenum die Frage diskutiert, ob Sprache für Schüler*innen ein „hidden curriculum“ im Geschichtsunterricht bilde, indem das sprachliche Anforderungsprofil trotz dessen hoher Relevanz häufig implizit bleibe. Dem entgegenzuwirken stellt eines der zentralen Ziele des sprachsensiblen Geschichtsunterrichts dar: Mündlichkeit, Lese- und Schreibprozesse rücken dabei als explizite historische Lernprozesse in den Fokus, die durch die Geschichtslehrkräfte aktiv gestaltet werden. In der Praxis kann dies unter anderem durch die Förderung historischer Lese- und Schreibfähigkeit und gezielten Strategieerwerb erfolgen. Ausgangspunkt sind dabei die Bedarfe der Lerngruppe und die fachlichen Lehrziele.

Nach einer Mittagspause und Stärkung am Mitbringbuffet wurden konkrete Methoden zur Unterstützung der Schüler*innen in den Bereichen „Geschichte lesen“, „Geschichte schreiben“ sowie „Geschichtsunterrichtsgespräch“ in Workshops erarbeitet und diskutiert. Neben den vielen Impulsen durch die bereitgestellten Fortbildungsmaterialien des Instituts für Geschichtsdidaktik der Universität Münster boten dabei insbesondere die vielfältigen Unterrichtserfahrungen an den unterschiedlichen Schulen Anlass zu konstruktiven, mitunter kontroversen Diskussionen. Es zeigte sich dabei ebenso die grundsätzliche Notwendigkeit sprachsensiblen Unterrichtens wie auch die Vielfalt unterrichtspraktischer Umsetzung.

Im Abschlussplenum betonten die LiVs, dass ihnen der Thementag einen aufschluss-reichen Einblick in das ihnen bisher noch weitgehend unbekannte Gestaltungskonzept des sprachsensiblen Geschichtsunterrichts ermöglicht habe. Darüber hinaus wurde die Kooperation zwischen den Studienseminaren sowohl seitens der LiVs als auch seitens der Ausbildenden als sehr bereichernd empfunden. Zukünftige Kooperationen sind deshalb angedacht.

Lars Wichmann (25.06.2026)