Die Debatte um das Referendariat nimmt aktuell viel Raum in den Medien ein. Sie wird sehr emotional geführt. Dabei ist die Darstellung von Seiten der Studienseminare bzw. der sie in der Außendarstellung vertretenden Behörden unterrepräsentiert.
Die konkrete Arbeit an den Studiensemseminaren selbst ist für Außenstehende weitgehend unbekannt.
Aus der Sicht unserer Arbeit am Studienseminar Hildesheim heraus nehmen wir Stellung zu den öffentlichen Darstellungen des Vorbereitungsdienstes mit dem Ziel der Versachlichung und der Darstellung der Perspektive der Ausbildenden. Das Gespräch ist der Weg.
Abbruchquote?
Die Abbruchquote auf dem Weg zum Lehrberuf ist – bei allen divergierenden Zahlen – im Referendariat bundesweit deutlich niedriger als im Studium.
Die Durchschnittsnote der Examensdurchgänge der letzten zehn Jahre liegt in Niedersachsen stabil im guten Bereich.
Defizitorientierung?
Es gibt keine Beratung am StS Hildesheim, in der nicht auch die Stärken der Stunde und der unterrichtenden Lehrkraft thematisiert werden – in allen bundesweit verwendeten Beratungsmodellen von Studienseminaren / Lehrer_innen-Ausbildungsinstitutionen ist der Blick auf die gelungenen Elemente fest verankert.
Das „Fertigmachen“
Auch am Studienseminar Hildesheim sind Referendar_innen von Kritik an ihrem Unterricht, die im Zuge von Beratungen formuliert wird, getroffen.
Die Ausbildenden gestalten das Gespräch nicht mit der Absicht, Referendar_innen zu verletzen oder Macht auszuüben. Dass hier die Möglichkeit einer Diskrepanz von Absicht und Wahrnehmung besteht, ist uns als Ausbildenden bewusst und stellt für uns einen dauerhaften Arbeitsauftrag in Sachen Haltung, Sprachsensibilität und Gesprächsprofessionalisierung dar.
Am Studienseminar Hildesheim sind es oft die Ausbildenden, die für den Blick auf Gelungenes, auf Positives und auf Stärkenfelder sorgen.
Der Stress
Der Lehrberuf ist mit vielen berufsspezifischen Belastungen verbunden, die gerade im Referendariat in besonderer Weise erlebt werden.
Dazu tragen bei: Das Einfinden in eine neue Rolle, die Vielfältigkeit der neu zu übernehmenden Aufgaben und der zu entwickelnden Kompetenzen, die in jedem Professionalisierungsprozess unvermeidlichen Erfahrungskrisen (wenn z.B. etwas nicht klappt), eine hohe Arbeitsbelastung und natürlich Ängste mit Blick auf die Prüfung am Ende der Ausbildung.
Neben einer Haltung der Ernstnahme und Berücksichtigung dieser Umstände tragen zur Bewältigung der Belastungen Strukturen bei, in denen zu jeder Zeit die Interessen der LiV, z.B. über den Personalrat, vertreten werden können. Auch offene Ohren in Einzelgesprächen, vertrauliche Beratungen, Ermutigungen und Unterstützung in krisenhaften Phasen gehören zum Ausbildungshandeln. Noch mehr institutionalisiert werden sollten niedrigschwellige externe Beratungsangebote – die Beratungsstelle des Landes CARE ist sehr gefragt, aber auf einen längeren Zeitraum überlastet.
Bewertung?
Es gibt keine „18 oder 24 bewerteten Unterrichtsbesuche“.
In der Ausbildungsverordnung (APVO Lehr II) ist vorgeschrieben, dass der Kompetenzstand der LiV am Ende des 14. Ausbildungsmonats mit einer Abschlussnote bewertet werden muss. An diese Verordnung müssen sich die Ausbildenden halten.
Diese Regelung wird von den Auszubildenden als maximal intransparent empfunden, während die Ausbildenden rechtfertigen müssen, dass sie in Beratungssituationen nicht in Noten denken. Doch diese Regelung hat einen wichtigen Vorteil: Sie lässt Entwicklung und Erprobungen zu.
Die LiV haben die Möglichkeit, z.B. bei Startschwierigkeiten Hilfe von den Ausbildenden zu bekommen, auch mal eine schlechte Phase zu haben oder im Unterricht gezielt etwas Neues auszuprobieren und sich dazu Beratung einzuholen. Nur so bleibt im Professionalisierungsprozess der nötige Raum für unbenotete und entwicklungsförderliche „Fehlversuche“.
Die Ausbildenden haben die Freiheit, sich an der bestmöglichen Performanz der LiV gegen Ende der Ausbildung zu orientieren, und sind dabei nicht auf eine punktuelle Stunde festgelegt.
Am Ende der Ausbildung wird der erreichte Kompetenzstand der LiV von den Ausbildenden eingeschätzt, in einer Note ausgedrückt und in einem Gutachten begründet.
Mit den z.B. vom Studienseminar Hildesheim vertretenen Kriterien lernwirksamen Unterrichts werden die LiV von Beginn der Ausbildung an vertraut gemacht und sind dabei keinesfalls auf Rezepte oder traditionelle Formen eines engen fachlichen Frontalunterrichts festgelegt – der Wunsch nach „Rezepten“ wird allerdings oft an die Ausbildenden herangetragen. Die Auseinandersetzung mit diesen Kriterien ist regelmäßiger Gegenstand der Seminarentwicklung.
Die Seminarleitung und der Personalrat des ausbildenden Kollegiums
Im Mai dieses Jahres haben wir uns als Kollegium des Studienseminars Hildesheim auf den Weg gemacht, um die Kooperationsbeziehungen unter uns Ausbildenden und zu unseren Ausbildungsschulen zu stärken. Die LiV des StS Hildesheim hatten uns diesbezüglich ermutigt – eine weitere Annäherung der Maßstäbe von Schulen und Seminar werde als hilfreich eingeschätzt.
Meike Luster, Fachleiterin Deutsch, hat uns in dieser Frage durch einen Vortrag zum Thema „Sprache als Ausdruck einer Haltung“ herausgefordert und sensibilisiert.
Uns ist sehr bewusst geworden, dass Kommunikation die entscheidende Variable für gelingendes Handeln in Ausbildung ist und wir mit unseren Sprechakten immer wieder (neue) Wirklichkeit gestalten (können). Diesem ziemlich komplexen, aber wichtigen Thema werden wir uns auf jeden Fall noch weiter widmen.

Sie hatte die Idee: Katharina von der Heide, Pädagogin im latenten Lauffieber, motivierte die Kolleg_innen für die Teilnahme. Zusammen mit André Streve, ebenfalls Pädagoge, legten sie einen lockeren Lauf mit wechselseitiger Führung hin, erstaunlicherweise überhaupt nicht beeinträchtigt durch den vorher gesnackten Bananencrêpe.



Christian Gauger, stellte als Pädagogischer Ausbilder heraus, wie wichtig es sei, die individuelle Leistung jeder/jedes einzelnen wahrzunehmen und zu würdigen. Nicht die Abschlussnote allein, sondern vor allem die Energie, der Mut und das gelegentliche Wiederaufstehen machten eine Leistung aus, die sich weder in einem Notendurchschnitt (dieser Jahrgang: 2,2) noch in einer Wiedergabe von Bestnoten ausdrücken ließe. Er wünschte dem Jahrgang, dass jede und jeder sich schließlich selbst auf die Schulter klopfen könne, egal ob mit einer 1,4 oder mit einer 4,1.
Ein großes Dankeschön gilt dem jüngsten Jahrgang 2023_1 für die liebevolle und ideenreiche Vorbereitung vom „personalisierten Kaktus“ bis zur Limonadenbar und der BBQ-Ecke. Ein rundum gelungener Abschluss mit Live-Musik und bester Laune!
Man kann sehr viel über außerschulische Lernorte reden und ohne Frage lohnt es sich immer, dazu auch die Fachliteratur zu studieren. 

Als Ausbildende wissen wir den Gegenpol zu unseren exemplarisch angelegten Anforderungen besonderer didaktisch-methodischer Arrangements sehr zu schätzen: Den Alltagsunterricht, der unseren Lehrkräften im Vorbereitungsdienst (LiV) Modelle bietet, auch mit voller Stelle gut durchzukommen. Hier bieten die Ausbildungslehrkräfte der Schulen einen unverzichtbaren Kontrapunkt. Dass wir als Ausbildende die Reflexion oft grundsätzlicher anlegen und häufig den Theoriebezug suchen ist kein Gegensatz: Von der Spannung zwischen beiden Polen lebt die Ausbildung.
Dort habe ich fast sieben Jahre als Prozessbegleiterin aus Paris für das Netzwerk der Deutschen Auslandsschulen in Europa und Skandinavien gearbeitet – Fortbildung und Begleitung der Schulen im Pädagogischen Qualitätsmanagement waren die Schwerpunkte meiner Tätigkeit. Von den gewonnenen Impulsen hoffe ich auch etwas nach Niedersachsen in die Lehrer/-innenausbildung zurücktransportieren zu können.